Die Vereinsgeschichte des Männergesangverein             Concordia Gunzenbach 1896 e.V.


Die Vereinsgründung 1896                                                 

Im März des Jahre 1896 versammelten sich im Gunzenbacher Gasthaus  „Zum grünen Baum" etwa 15 Männer, um einen Gesangverein zu gründen. Die Gründungsversammlung wählte Johann Bathon zum ersten Vorsitzenden. Erster Chorleiter wurde Franz Huhn, der Lehrer der Volksschule Gunzenbach, der nach den ersten Aufzeichnungen auch zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Zu den Gründungsmitgliedern zählten außerdem: Georg Adam Bathon, Wilhelm Freund, Adam Wissel, Vinzenz Wissel, Peter Rosenberger, August Bathon, Josef Emge, George Volk, Anton Volk, Heinrich Jung, August Höfler und Konrad Schmitt.  Der erste Auftritt dürfte wohl auf die Einweihung der Gunzenbacher Pfarrkirche 1898 fallen.

Von der Fahnenweihe in die Kriegsjahre 1914 – 1918                          

Laut der Chronik von Franz Hofmann aus Angelsberg war der noch junge Chor in den Anfangsjahren „bemüht, dem Gesang und der Musik das Beste abzugewinnen“.  Dies geschah wohl mit einigem wirtschaftlichen  Erfolg, da der Verein im Jahre 1906 anlässlich des 10-jährigen Bestehens in der Lage war, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Zur Fahnenweihe – Pate stand der Gesangverein Sängerlust Hörstein – veranstaltete Concordia Gunzenbach das 10-jährige Gründungsfest in den Buchen am Scharfenstein. Hiervon weiß der Chronist Hofmann zu berichten, dass der Verlauf des Festes „etwas gestört wurde durch einen wolkenbruchartigen Regen, bei dem die Festgäste mit den Wassermassen vereint dem Dorfe zuströmten“.


Mittlerweile stand dem Verein Wilhelm Freund vor. Chorleiter war – wohl nach Huhns Versetzung – der neue Lehrer der Gunzenbacher Dorfschule, Endres.


Mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 mussten die Proben eingestellt werden. Der Chor wurde zwar weitergeführt, jedoch nur noch auf dem Papier.

Die Concordia zwischen den beiden Kriegen                                 

Erst fünf Jahre nach Ende des ersten Krieges wurden wieder Stimmen laut, den Gesang in Gunzenbach wieder aufzunehmen.  Dem damaligen Dorfschullehrer in Gunzenbach, Franz Geis, ist es wohl zu verdanken, dass im Spätsommer 1923 der Chor unter seiner musikalischen Leitung die Arbeit wieder aufnehmen konnte. 1. Vorstand wurde August Kraus.


Die Chronik berichtet von zahlreichen Schwierigkeiten mit den vorhandenen Probelokalen. Nachdem die Proben wohl aus Kostengründen „wegen der elektrischen Beleuchtung“ (Schriftführer Gerry Griebel) nicht mehr in der Schule stattfinden durften, zog man in das frühere Vereinslokal, die Gaststätte von Peter Hofmann, um. Doch auch hier konnte man nicht lange bleiben.  Aus unklarer Ursache zog der Verein am Montag, den 18. März 1924, in das neue – durch Abstimmung gewählte –Vereinslokal, die Gastwirtschaft von Andreas Griebel um.  Gerry Griebel, damals Schriftführer berichtet: „10 bis 12 Mann beteiligten sich an dem Umzug. Morgens um 10 Uhr wurden die zwei Schränke herübergetragen, voraus die Fahne des Vereins.  Sie wurden gleich freundlich empfangen. Den ganzen Tag becherten sie bis zum Abend, wo sie sich einer nach dem anderen verzogen und ihr Nachtlager aufsuchten.“


In der Generalversammlung vom 13. Januar 1924 gab sich der Gesangverein die erste gültige, überlieferte Satzung. Laut dieser durften in den Verein nur Mitglieder aufgenommen werden, die „einen unbescholtenen Lebenswandel führen.“ Der Mitgliedsbeitrag betrug eine Reichsmark pro Jahr. Die Ausgaben (u.a. RM 2,50 Dirigentenhonorar pro Probe) bestritt der MGV Concordia Gunzenbach aus den Einnahmen seiner drei jährlichen Veranstaltungen: Christbaumverlosung, Theatervorstellung und Faschingsball.


Der Chor entwickelte sich mit der Zeit zu einer Stärke von etwa 40 Sängern.  1934 übernahm Robert Bock aus Michelbach den Taktstock. Unter seiner Leitung verbesserte der Chor „zusehends seinen Chorklang und seine Aussprache“ (Franz Hofmann).  In der Folgezeit wurden erste Wertungssingen in Wasserlos und Michelbach besucht.  Leider sind deren Resultate nicht überliefert.


Der Beitritt zum Maintal-Sängerbund erfolgte im Jahre 1933. 


Zu Pfingsten 1937 konnte das 40-jährige Gründungsfest gefeiert werden. Unter Mitwirkung der Festmusik und der SA-Kapelle Strötzbach begann auf dem Festplatz im Oberdorf am Sonntag um 16 Uhr das Fest mit Gesangsvorträgen auswärtiger Vereine. Mit der obligatorischen Parade von der Schule zum Festplatz wurde am Pfingstmontag der zweite Festtag eröffnet, der am Abend nach viel Musik, Gesang und Tanz sein Ende nahm.

Trotz „schwerer Gewitter an beiden Tagen“ bescheinigte der Schriftführer Julius Griebel der Veranstaltung einen „schönen und ruhigen Verlauf“.


Mit den Aufzeichnungen zur Generalversammlung 1938 beendet das Protokollbuch die Ära zwischen den Weltkriegen. 1939 – so Franz Hofmann – brachte der Ausbruch des 2. Weltkrieges den „blühenden Verein zu einem jähen Stillstand“. Für acht lange Jahre werden nun die Aufzeichnungen ruhen und die Kehlen stumm bleiben.

1946 – 1962                                                                                   

Der Krieg ist seit fast einem Jahr beendet. Sieben Sänger waren gefallen und einige weitere befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft, aber am 4. Juli kam es zu einer Gründungsversammlung, der ein neuer, erstarkter Chor entwuchs.


„Im Jahre 1946, bald nach Ende des Krieges, erwachte der Verein wieder zu neuem Leben. Zu den wenigen, die dem Krieg entkamen gesellte sich die heranwachsende Jugend. Einige kamen noch aus der Kriegsgefangenschaft zurück und bald hatte der Verein seine frühere Mitgliedszahl weit überschritten.“  

So beschreibt Chronist Franz Hofmann die Wiederbelebung des Chorgesangs in Gunzenbach. Schon bald darauf gab es wieder etwa 50 Sänger bei der Concordia, Chorleiter war Michael Gast aus Hörstein. 


Endlich konnte auch im Mai 1950 mit einiger Verspätung das 50-jährige Gründungsfest gefeiert werden. Die Chronisten Franz Hofmann und Julius Griebel waren sich darin einig, dass das viertägige Fest wegen der guten Witterung sehr gut besucht war. Durch die Einnahmen war es nun möglich, den Wunsch nach einem Klavier zu erfüllen. Die 800 DM für das gebrauchte Instrument waren sicher eine sehr gute Anlage. 


Im Jahre 1951 mussten die Proben wegen der vielen auswärts arbeitenden Sänger von Mittwoch auf Samstag verlegt werden – so das Protokoll der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 25. August 1951. Daraus folgte, dass Michael Gast den Chor nicht mehr musikalisch leiten konnte. Sein Nachfolger wurde Erich Peter Stein aus Johannesberg – wie sich herausstellen sollte, sicher ein richtiger Schritt: Bereits im ersten Jahr von Steins Wirken erhielt die Concordia beim Wertungssingen in Michelbach "sehr gute Kritik und Benotung, was der zielbewussten Arbeit unseres Dirigenten und dem guten Zusammenhalt unserer Sänger zu verdanken ist" (Franz Hofmann). So ging es weiter. Unser Chor und unser Verein etablierte sich. Die Chronik berichtet aus dieser Zeit von sehr vielen Besuchen bei Liedertagen benachbarter Chöre, Wertungssingen wurden mit gutem bis sehr gutem Erfolg besucht, es gab jährlich ein Theaterstück, Tanzmusik und die Christbaumverlosung. Das 60-jährige Jubiläum wurde 1956 gebührend gefeiert. 

Ein junger Dirigent setzt neue Maßstäbe                  

Erich Peter Stein folgte im Jahr 1962 dem Ruf an das Theater nach Trier und gab in Folge dessen die musikalische Leitung der Concordia auf. Die Vorstandschaft um den ersten Vorsitzenden Ludwig Kampfmann musste sich nach einem neuen Dirigenten umsehen. Die Wahl fiel auf Karl Benzing, einen jungen, aufstrebenden Chorleiter aus Neuses, frischer Absolvent vom Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt. Wie wichtig und nachhaltig diese in jeder Hinsicht richtige Entscheidung war, konnte damals niemand ahnen. 

Benzing blieb mehr als 40 Jahre Chef der Concordia, verhalf dem Chor zu gewaltigen Leistungen und gründete in Gunzenbach eine hochklassige Chorkultur, indem er mit und aus einem kleinen Chor ein enorm leistungsfähiges Ensemble formte. 


Der Start allerdings war von Schwierigkeiten geprägt. Als junger Dirigent mussten zunächst Verdienste erworben werden. Keine leichte Aufgabe in der starken Chorszene des Freigerichts und Kahlgrunds. Immer wieder kam es zu Rückschlägen bei Wertungssingen und Chorwettbewerben, bis es Benzing und Concordia Gunzenbach 1973 erstmals gelang, beim Wettstreit des Männerchores Altenmittlau alle vier ersten Preise zu gewinnen. Am gleichen Tag wurde diese tolle Leistung mit dem zweimaligen, hervorragenden Prädikat beim Wertungssingen in Krombach besiegelt.


Und so ging die Concordia den Weg durch die 70er Jahre – ein großartiges Jahrzehnt für die gesamte, damals blühende Chorlandschaft, voll von großen Sängerfesten, Konzerten, Liederabenden und Chorwettbewerben. Die Gunzenbacher mit Benzing erarbeiteten und festigten sich indes durch geduldige und akribische Arbeit den Ruf eines starken und durchaus ambitionierten Männerchores. 


Nebenbei wurde im Jahre 1971 das 75-jährige Jubiläumsfest mit 37 Gastchören gefeiert.

1973 konnte in der neu erbauten Turnhalle in Gunzenbach die erste Narrensitzung, hervorgegangen aus den Bunten Abenden im Vereinslokal Griebel, abgehalten werden. 


Im Laufe der Zeit stellten sich also auch regelmäßige Erfolge bei Chorwettbewerben und Wettstreiten ein. Reinhold Deller übernahm als Vorsitzender im Jahre 1978 die Vereinsführung und führte die Concordia mit ihren damals ca. 45 Sängern in das neue Jahrzehnt und somit auch zu den Festlichkeiten zum 85. Jubiläum im Juni 1981.

Die Ära Benzing und Kampfmann                                                        

Die Generalversammlung 1985 brachte wegweisende Neuerungen mit sich: Armin Kampfmann wurde zum Vorsitzenden gewählt. Eine damals sicher mutige, aber richtige Entscheidung. Kampfmann, damals im Alter von 27 Jahren, gelang es, innerhalb kurzer Zeit sehr viele vor allem junge Sänger zur Concordia zu holen und zusammen mit Karl Benzing einen Chor von zeitweise mehr als 50 Sängern aufzubauen. Gleichzeitig schaffte er es, die Brücke zwischen den Generationen zu schlagen und somit interne Konflikte zu vermeiden. Bis zur Jahrtausendwende wird die Concordia zu einem Chor werden, der einen exzellenten Ruf weit über die Grenzen des Landkreises hinaus genießen wird –  ein gern gesehener und gehörter Gast bei Chorevents aller Art.


Schnell wuchs nun der Chor auf über 50 Aktive an.  Die vielen jungen Sänger machten sogar die Gründung eines Jugendchores möglich – ein Ensemble innerhalb des großen Chores, das sich sehr schnell etablieren konnte. Erster offizieller Auftritt war 1987 zu Karl Benzings  25-jährigem Chorleiterjubiläum. Es folgte in loser Reihenfolge die Teilnahme an diversen Freundschaftssingen, Konzerten und schließlich 1989 die erfolgreiche Teilnahme am Chorwettbewerb in Neuses. Großartige Erlebnisse und die Quelle legendärer Geschichten und Anekdoten waren  auch die vielen  Reisen ins Allgäu, wo der Jugendchor mit den jungen Damen der Chorgemeinschaft Herbishofen regelmäßig Konzerte veranstaltete.


Mitte der 80er-Jahre begann also eine neue Zeitrechnung bei der Concordia. Die Zäsur ist bereits 1988 deutlich erkennbar, als die Saison mit sechs ersten Preisen bei sechs Chorwettbewerben beendet wurde. Diese hohe Qualität konnte letztlich stabilisiert werden und führte den Männerchor in fast zwei Jahrzehnte voller Erfolge und großer Leistungen.


1990 startete die  tiefe und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk, der in mehreren Etappen Teile des Lied-Repertoires für sein Schallarchiv im Studio Franken aufzeichnete. Daraus folgten weitere Engagements für den Sender, wie zum Beispiel die Teilnahme am Marienkonzert in Würzburg, dem Nürnberger Christkindl-Markt oder beim Senderfest 1993 im Nürnberger Studiopark, die in einem Fernsehauftritt gipfelte. 

Resultate dieser Zusammenarbeit sind aber auch die vom damals Leitenden Volksmusik-Redakteur im BR, Emil Händel, eigens für den MGV in Mundart arrangierten Stücke wie u.a. "Hans, bleib do" oder "Jakob gieht noach Rawich naus", die ihre Aufnahme in das Repertoire fanden. Nebenbei war die Concordia Gastgeber der BR1-Live-Sendung "Grüße aus Gunzenbach", die am 26.11.1995 aus der Gunzenbacher Turnhalle gesendet wurde und nach Angaben des BR über drei Millionen Zuhörer erreichte.

Das 100. Jubiläum und die Prager Chortage                                          

In dieser sicher sehr guten Verfassung ging der MGV Concordia in das 100-jährige Vereinsjubiläum, das mit den Fränkischen Chortagen im Juni 1996 auf dem Festplatz mit einem Liederabend und einem Chorwettbewerb gefeiert wurde. Mehr als 60 Chöre waren zu Gast in Gunzenbach und sorgten für ein einmaliges und denkwürdiges Chorerlebnis. Armin Kampfmann und Karl Benzing sorgten mit viel Um- und Weitsicht für ein enorm breites und sehr starkes Teilnehmerfeld von 54 Chören in 17 Klassen an beiden Wettbewerbstagen. Rund 250 Helfer kümmerten sich an vier Festtagen um Organisation, reibungslosen Ablauf und die Bewirtung von insgesamt – trotz strömenden Regens am Sonntag  etwa 2500 Besuchern.


Schließlich folgte im Jahre 1998 die Krönung der bisherigen Vereinsgeschichte. Im November starteten die Gunzenbacher Sänger ihre Reise nach Tschechien zu den Internationalen Prager Chortagen  die erste und bis heute einzige Teilnahme an einem internationalen Chorwettbewerb. Mit 48 Sängern stellte sich Gunzenbach der vierköpfigen internationalen Jury. Karl Benzing hatte die Concordia vorher in intensiven Proben auf diese Aufgabe vorbereitet und ein Programm aus fünf Vorträgen zusammengestellt, das sowohl den Ausschreibungsbedingungen entsprach, aber auch passend auf den Chor zugeschnitten war.

Morgens um 9 Uhr eröffnete die Concordia mit dem Pflichtstück "Veno" von Friedrich Smetana das Feld der 11 Männerchöre aus Italien, Österreich, Tschechien, Kroatien und Deutschland. Nach dem 20-minütigen Auftritt folgte nun banges Warten bis zum Abend. Mit dem Verlesen der Wertung aber brach im Gunzenbacher Lager grenzenloser Jubel aus: Das ersehnte Goldene Band, der erste Preis, ging an Concordia Gunzenbach! Die Sänger lagen sich voller Freude in den Armen, denn zusätzlich gab es noch den Sonderpreis für die außerordentliche Ausführung und der  so die Jury – "besonders gefühlvollen Interpretation eines Stückes der Romantik", der "Nacht" von Franz Schubert. Die lange Vorbereitung und die akribische Arbeit hatten sich mehr als gelohnt. Gänsehaut gab es dann am Ende des Abends, als abschließend alle 11 Chöre zusammen nochmals das Pflichtstück des Chorwettbewerbes gemeinsam vortrugen  ein überwältigendes und sehr emotionales Erlebnis.


Das für den Chor überragende Jahrzehnt voller Höhepunkte und einmaliger Erlebnisse ging mit den erstklassigen Ergebnissen bei den Chorwettbewerben in Neuses 1999 und Nomborn 2000 zu Ende. 1999 wurde mit dem Bau des Vereinsheimes, dem Haus der Musik, in Gunzenbach begonnen   eines von sehr vielen, sicher aber das größte Projekt, das Armin Kampfmann mit ungeheurem Elan und Engagement für Concordia Gunzenbach in Angriff nahm. 2001 konnte das neue Vereinsheim bezogen werden.

Männerchor im Umbruch                                                                                

Mit dem Eintritt in das neue Jahrtausend gingen auch schwere Veränderungen innerhalb der Chorszene und ihrer Vereine einher. Auch der MGV wurde davon nicht verschont. Vor allem Männerchöre sahen sich steigender Altersstrukturen ausgesetzt. Nachwuchs fehlte nahezu ausnahmslos  ein Problem, das sich durch den demografischen Wandel ohnehin rasant verschärfte. Die Arbeit für einen Verein, die Verfolgung seiner Ziele, regelmäßige Proben und Verpflichtungen  auf Grund vollkommen veränderter Freizeitangebote und -aktivitäten stieß bei den Jugendlichen meistens auf wenig Interesse. Auch diese veränderten gesellschaftlichen Parameter machten vor Gunzenbach nicht Halt. 


Die Zahl der Aktiven begann in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends kontinuierlich zu sinken. Aus den einstmals  in Spitzenzeiten  50 Sängern wurden im Laufe dieser Jahre ein Chor von 30 bis 35 Stimmen. Nun begann sich aber erst recht die hervorragende und weitsichtige Jugendarbeit aus der Mitte der 80er-Jahre auszuzahlen. Der Chor war immer noch hervorragend bei Stimme –auch wenn ihm die ganz jungen Leute fehlten. Und so startete die Concordia mit glänzenden Leistungen in das neue Jahrtausend, setzte bei vier Wettbewerben in den Jahren 2001 und 2002 mit sensationellen Ergebnissen neue, bis dahin selbst unbekannte Maßstäbe und holte sich aus der dritten Klasse am 9. Juni 2001 in Watzenborn zum allerersten Mal den Meisterpreis als tagesbester Chor. 


Nach diesen Höhepunkten kehrte Ruhe ein bei Concordia Gunzenbach, die Veränderungen der kommenden Jahre wurden spürbar. Am 12.10.2002 beging Karl Benzing schließlich mit einer großen Chorgala und einer bewegenden Feier sein 40-jähriges Jubiläum als Chorleiter von Concordia Gunzenbach. 


Was steht hinter dieser schier unglaublichen Anzahl von Jahren? Man könnte das in Zahlen verdeutlichen  so wie die etwa mit Benzing einstudierten ca. 200 Chorwerke und Volkslieder, die 60 Wettstreite und die dabei errungenen 130 ersten Preise, man könnte diese vier Jahrzehnte geduldiger, akribischer Chorarbeit nennen, voll von großartigen Erfolgen wie auch bitterer Niederlagen, glänzenden Auftritten, aber auch harten, langen Proben  ein steiler Aufstieg eines jungen und sicher sehr begabten Dirigenten zu einer etablierten, hochgeschätzten und angesehenen Größe innerhalb der Chorszene, im Freigericht und auch darüber hinaus. Aber es sind nicht nur diese nach außen hin sichtbaren Zeichen einer brillanten Zusammenarbeit. Es ist auch die fruchtbare Symbiose, die Chor und Chorleiter in diesen 40  Jahren eingegangen sind: zwei nahezu perfekt aufeinander ein- und abgestimmte Elemente mit dem einen Ziel, große Leistungen zu vollbringen und Außergewöhnliches zu schaffen.


2003 wurde erstmals seit fast zwanzig Jahren kein Chorwettbewerb mehr besucht und im Jahre 2004 endete nach 42 Jahren die Ära von Karl Benzing auf dessen eigenen Wunsch als musikalischer Chef von Concordia Gunzenbach. In einer kleinen Feierstunde wurde Benzing, der als Dirigent kam und als Ehrenchorleiter ging, von seinen Sängern verabschiedet.

 

Nahezu gleichzeitig ging auch die Zeit von Armin Kampfmann als Vorsitzender von Concordia Gunzenbach zu Ende.  Nach 20 Jahren voller intensiver und immer engagierter Arbeit  für den Verein stellte er in der Mitgliederversammlung 2004 sein Amt zur Verfügung. In seine Zeit fielen die herausragenden Höhepunkte der Vereinsgeschichte, die größtenteils seinem Wirken zu verdanken waren. Mit viel Weitsicht und Verantwortung gelang  ihm, einen tadellos funktionierenden Verein zu erschaffen und vollkommen intakt seinen Nachfolgern zu übergeben.


Das neue Führungsgremium bildete sich nun aus drei Vorsitzenden, die die Führungsaufgaben neu verteilten: Andreas Deller (Chor), Alex Freund (Veranstaltungen) und Martin Pfeifer (Öffentlichkeitsarbeit). Die erste Aufgabe war es nun, einen neuen Chorleiter zu finden. Die Wahl fiel auf Karsten Schwind aus Hösbach, einen jungen Absolventen der Universität Mainz in Gesang, Orgel und Chorleitung. Die Ziele waren klar gesteckt. Es galt, die Sängeranzahl zu halten bzw. zu steigern, den unter Karl Benzing erarbeiteten Chorklang auf dessen eigenen Wunsch  das Markenzeichen der Concordia  zu konservieren und als Ziel, mittelfristig wieder an Chorwettbewerben teilzunehmen.

Frauenchor im Aufbruch                                                                 

2006, im Jahr des 110. Jubiläums, gab es Zuwachs bei Concordia Gunzenbach: Endlich wurde ein Frauenchor gegründet. Tatsächlich gibt es im Umkreis des Vereins sehr viele talentierte Sängerinnen und der Wunsch nach einem Frauenchor wurde immer lauter. Eine große Werbekampagne mit persönlichen Einladungen, Plakatierungen und Flugblättern ging der Gründung voraus. 36 neue und sehr interessierte Sängerinnen folgten am Weltfrauentag, dem 8. März, der Einladung in das Haus der Musik. Dort wurde unter der neuen Chorleiterin Tine Wilk die erste Probe mit sehr viel Spaß und natürlich viel Gesang abgehalten. Dolce Concordia, süße Eintracht – diesen Namen gaben die Damen später ihrem Chor – etablierte sich sehr schnell zu einer bereichernden, festen Größe innerhalb des Gesangvereins, eine heute nicht mehr wegzudenkende tragende Säule. Ihre Premiere feierte Dolce bei dem mit Spannung erwarteten Auftritt beim Liederabend zum 110-jährigen Bestehen der Concordia am 4. November in der Gunzenbacher Turnhalle. Dort gab es dann die Stücke "Adiemus", "Oh, what a day", Siyahamba" und "I Paradisi" zu hören – ein sehr gelungener, viel versprechender Auftakt für den frisch gegründeten Chor und dessen  Vorsitzende Sylke Simon.

Neue Wege, neue Ziele, neue Möglichkeiten                                         

Ein frisch gegründeter Frauenchor mit permanent steigenden Sängerzahlen im Aufwind –das Experiment war geglückt, Dolce ist ein integraler Baustein im Verein geworden. Der Männerchor indes kann mit Karsten Schwind und ca. 35 Aktiven an die starken Zeiten anknüpfen und das hohe Niveau zunächst halten.

Höhepunkte dieser Zeit waren sicher die viel beachteten und gefeierten Auftritte bei der Fränkischen Weihnacht in Kälberau 2004 sowie beim Liederabend in Großwallstadt 2005, wo eine "beeindruckende Form" und ein "perfekter Klangkörper" attestiert wurden. Schwind gelang es mit sehr präziser Probenarbeit, den Chorklang noch zu verbessern. Sehr gute Ergebnisse bei den Chorwettbewerben 2006 in Weinheim (2. Platz, Diplom Gold), 2007 in Horbach (1. Platz, Diplom Silber) und 2009 in Kassel (2. Platz, Diplom Gold) folgten. 


Doch in den nächsten Jahren verdichtete sich die Sängerzahl auf nur noch rund 25 Sänger. 2011 fiel der Entschluss, vorerst keine Chorwettbewerbe mehr zu besuchen. Der Männerchor gelangte in eine müde, lahme Phase, die Spannung im Probenbetrieb sank. 


Trotz dessen gehen die beiden Chöre ihre anstehenden Projekte mit neuen Ideen an. Zur Sommerserenade 2011, dem Gunzenbacher Chor-Open-Air, vereinigten sich Dolce und der MGV erstmals zu einem gemischten Chor und traten mit dem "Hallelujah" von Leonard Cohen vor ein beeindrucktes Publikum. Weitere Auftritte in gemischter Formation werden nun sporadisch zu verschiedenen Anlässen folgen.


Viel Freude hingegen bereitete die Entwicklung des Frauenchores. Die Sängerinnen von Dolce Concordia feierten am 9. April 2011 ihr fünfjähriges Bestehen. "Ein Abend von Frauen für Frauen" –so das Motto der Feier im Haus der Musik – mit Kabarett und Gesang, zu der nur weibliche Gäste Zutritt hatten. 


2012 schließlich gab Karsten Schwind seinen Rücktritt als Chorleiter des Männerchores bekannt. Sein Nachfolger wurde im September Martin Bous aus Gelnhausen. Als einer von vier möglichen Kandidaten setzte er sich in den Probedirigaten durch. Bous (Jahrgang 1970), eine anerkannte Größe unter den Chorleitern des Freigerichts, gelang es, den Chor wieder zu beleben und neue Ziele zu definieren. Eine neue Begeisterung machte sich bemerkbar und schnell stieg die Zahl der aktiven Sänger wieder von ca. 20 auf etwas mehr als über 30. Das Comeback auf der Wettstreitbühne am

16. Juni 2013 in Wald-Michelbach geriet zu einer Demonstration der neu gewonnenen Stärke. Es folgten nun 2013 und 2014 noch drei weitere Chorwettbewerbe, aus denen der MGV als Sieger hervorging. Die Wende war endgültig geschafft. 

Auf dem Gipfel: Die Bergmesse 2013                                                    

Mit diesem neuen Geist und viel Schwung steuerten Dolce und der MGV dem Höhepunkt ihrer jüngeren Geschichte zu: Dem Ausflug ins Allgäu und der Beteiligung an der Bergmesse auf dem Fellhorn bei Oberstdorf. Etwa 100 Vereinsmitglieder, die Sängerinnen und Sänger beider Chöre machten sich am 6. September auf den Weg nach Immenstadt. Am kommenden Tag brachten die ersten Gondeln die Gruppe am frühen Morgen und bei noch bedecktem Himmel hinauf zur Mittelstation des Fellhorns. Beeindruckend beim Ausstieg war bereits der Blick auf das große Areal der Bergmesse mit dem gewaltigen Kreuz und Bänken für mehr als 500 Besucher. Aber auch der Himmel klarte mehr und mehr auf und gab den Blick frei auf die umliegenden Gipfel der Allgäuer Alpen – ein beeindruckendes Panorama. Beeindruckend und voller unvergesslicher Momente war dann auch die Bergmesse, die  Pater Rainer Meyer von der Kurseelsorge Oberstdorf mit den etwa 250 anwesenden Gläubigen feierte. Wir trugen dazu insgesamt sechs Stücke bei, darunter auch – beide Chöre zusammen – den 102. Psalm "Die Gott lieben, werden sein wie die Sonne". 


Anschließend ging es weiter zur Sonnenterrasse der Mittelstation. Hier folgte ein einstündiges Konzert vor den Mittagsgästen, das beide Chöre zusammen mit "Hallelujah", "Senzeninah" und natürlich dem "Gunzemicher Lied" beendeten. 

Aus der Gegenwart in die Zukunft                                                           

Gegenwärtig gehen zwei voll funktionierende Chöre mit ca. 65 Aktiven in den Proben ihrem großartigen Hobby nach, getragen von zwei herausragenden Dirigenten und insgesamt 250 Mitgliedern. Concordia Gunzenbach ist innerhalb der Chorszene eine feste Größe mit einem exzellenten Ruf geworden – ein aktiver Verein mit regem Vereinsleben und vernünftiger Altersstruktur.


Der geschäftsführende Vorstand besteht aus Sylke Simon (Vorsitzende Frauenchor), Markus Parr (Männerchor), Martin Pfeifer (Öffentlichkeitsarbeit) und Christine Rausch (Kassiererin). Hinzu kommen ein steuerndes Team für den laufenden Vereinsbetrieb und das Faschingsteam für die Organisation der Narrensitzungen.


Wirtschaftlich gesichert wird die  Existenz vor allem durch diese drei Faschingssitzungen, die aus den Bunten Abenden der sechziger Jahre hervorgingen und seit 1973 in der Turnhalle abgehalten werden. Feste Größen in der Agenda sind außerdem Auftritte bei Konzerten und Liederabenden befreundeter Vereine und das Weihnachtskonzert am dritten Advent. Die Höhepunkte des Sängerjahres bilden im abwechselnden Turnus die Sommerserenade im Juli  und die Veranstaltung "Wein trifft Gesang" im Oktober. Der MGV hält einen jährlichen Rhythmus von Wettbewerbsbesuchen aufrecht. 2016 geht unser Verein in das Jahr seines 120-jährigen Bestehens. Das Jubiläum wird mit einem Konzert beider Chöre in der Gunzenbacher Pfarrkirche gefeiert werden.


Concordia Gunzenbach auf dem Weg durch die Zeit – großartige Geschichten und spannende Kapitel. Wir hoffen, dass wir noch viele schreiben dürfen.